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Fotoverwendung durch Dienstleister

Am 1. April 2020 trat der Lichtbildschutz in der Schweiz in Kraft. Endlich, denn in anderen Ländern war dies schon lange der Fall. Klingt jetzt uninteressant aber ist für alle sehr wichtig, die Bilder von Fotografen ohne deren Einwilligung verwendet haben und bis zum 1. April 2020 mit einem blauen Auge davon gekommen sind. Denn seit diesem Tag hat die unerlaubte Bildnutzung rechtliche und finanzielle Konsequenzen. 

 

Der Fotografenkollege Cornelius Fischer hat hier einen tollen Beitrag veröffentlicht, den wir euch nicht vorenthalten möchten. Wir könnten unseren Blog jetzt damit abschliessen und auf seinen verweisen, wollen aber noch unseren Senf dazu geben, wie wir diese Situation jeweils erklären, wenn es zum Thema wird. 

Make Up Selina Wipfli, Blumen Blumeria Altdorf
Make Up Selina Wipfli, Blumen Blumeria Altdorf

"Das Brautpaar hat euch ja bereits bezahlt"


Ja, für unsere Zeit, die wir vor Ort waren. Und für noch viel mehr Zeit vor und nach der Hochzeit (Mails, Besprechungen, Kennenlerngespräch, Fahrt, Bildauswahl, Bildbearbeitung etc.). Plus für private Nutzung der Fotos. 

 

Wir vergleichen Bilder gerne mit einem Film. Wenn du eine DVD kaufst, kaufst du nicht den Film als solches. Du erwirbst dir die Erlaubnis, den Film privat anzusehen. Auch mit deiner Familie oder Freunden. Aber du darfst den Film nicht öffentlich vorführen und damit Geld verdienen. 

 

Nutzt du als Dienstleister ein Bild für deine Zwecke, ist es klar mit kommerzieller Absicht. 

 

"Das Brautpaar hat uns die Bilder zur Verfügung gestellt"

 

Das dürften sie nicht und es ist deine Pflicht, vor einer kommerziellen Veröffentlichung dies genau abzuklären. Kaufst du zB. ein Bild via Bildagentur dann sind da im Hintergrund ziemlich aufwendige Verträge zwischen Fotograf und Bildagentur abgeschlossen. Denn abgebildete Personen müssen um deren Erlaubnis gefragt werden usw. Du als Konsument musst nur noch kaufen. Die Agentur ist der Zwischenhändler. Benutzt du direkt ab der Quelle kann nicht einfach genommen werden. Es sind entsprechende Verträge zu erstellen, Genehmigungen einzuholen etc. 

 

Wenn das Brautpaar (oder wir) auf Social Media Kanälen selber etwas postet, darfst du es teilen. Teilen heisst aber wirklich teilen. Herunterladen und selber neu hochladen ist verboten, auch wenn du den Text 1:1 übernimmst und die Verlinkungen setzt. Rechtlich erlaubtes Teilen geht auf Facebook und man sieht den "hat geteilt" im Vermerk. Auf Instagram können Bilder von einem anderen Account nur in die eigene Story hineingeteilt werden. Mit Repost Apps müssen Bilder zuerst heruntergeladen werden, was dann wieder verboten ist. Nur weil es Apps für etwas gibt heisst es nicht, dass dies auch gesetzlich erlaubt ist. 

 

"Ich (Visagistin, Floristin, Brautmodegeschäft etc.) habe einen Beitrag dazu geleistet, dass ihr so schöne Fotos machen konntet. Da dürften wir zum Dank die Fotos gratis bekommen"

 

Der grösste und wichtigste Beitrag auf den Fotos leistet das Brautpaar. Gemäss deiner Logik müssten wir auch dem Brautpaar die Bilder gratis abgeben. Wenn du oben bereits gelesen und verstanden hast beruht das Geschäft von Fotografen vom Verkauf der Nutzungsrechte an Bildern. Danke, dass wir auch Geld für unser Leben verdienen dürfen ;-) 

 

 

"Wenn ich es poste und euch verlinke ist das gratis Werbung für euch"

 

Friseur: Wenn die Braut und wir dich verlinken, bekommt die Braut ihre Frisur gratis?

Florist: Wenn das Brautpaar und wir dich verlinken, bekommt sie den Blumenschmuck gratis?

Location: Wenn das Brautpaar und wir dich verlinken, dürfen sie gratis bei euch ihr Fest feiern?

usw..... 

 

Bevor Chris die Hochzeitsfotografie entdeckte, fotografierte er auch Rockbands. Eine davon ist ziemlich bekannt und ein Bild dieser Band erschien im Sonic Seducer, einer deutschen Rockzeitschrift. Fazit: Nicht ein Auftrag durch diese Namensnennung oder auch nur ein Anstieg der Follower oder Webseitenbesucher. Eine einfache Namensnennung oder Verlinkung hat definitiv eine sehr geringe Werbewirkung. 

 

"Es gibt genügend Fotografen, die uns die Bilder gratis zur Verfügung stellen"

 

Das ist so. Diese haben dann evtl. selber keine Ahnung von der gesetzlichen Gegebenheit und/oder stehen vielleicht am Anfang ihrer Karriere als Fotograf und lassen sich noch blenden von der vermeintlichen Werbung. 

 

Es gibt natürlich auch Möglichkeiten "kostenlos" an Bilder zu kommen. zB beim Bild oben handelt es sich um ein Styleshooting mit dem Model Linda. Die Blumeria Altdorf, die Visagistin Selina Wipfli und auch wir haben unsere Dienstleistungen kostenlos zur Verfügung gestellt. Es ist für uns Beteiligte Werbung und Netzwerken. Die Beteiligten müssen die Bilder dann aber auch selber einsetzen. Wenn Selina ein Bild von unserem Shooting postet und uns verlinkt, haben wir kaum mehr Follower und auch umgekehrt. Wir müssen die Bilder schon auch selber posten und dazu texten. 

 

Oder eine Zusammenarbeit im Sinne von Empfehlungsmarketing. Wir generieren unsere Buchungen ca. zu je einem Drittel aus Weiterempfehlungen von ehemaligen Brautpaaren oder anderen Fotografen, dann Google und noch Social Media. Eine Buchung via andere Dienstleister hatten wir bis anhin eine einzige und selbstverständlich hat diese Dienstleisterin von uns Bilder kostenlos erhalten. Unserer Meinung nach soll es ein Geben und Nehmen sein. Aber lediglich ein Link setzen ist wahrlich kein Geben. 

Meistens Unwissenheit

Wir wissen, dass in Bezug zur Bildnutzung einfach kein Wissen da ist und Bilder nicht mit bösen Absichten oder mit Vorsatz "gestohlen" werden. Aber wie es eben so ist "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht". Seit dem 1. April 2020 können Fotografen in solchen Fällen Rechnungen für die Nutzung verschicken und klagen. Und das kann bei unerlaubter Nutzung schnell teuer werden. Es gibt immer mehr Fotografen, die der Aufklärungsarbeit überdrüssig sind und ohne Vorwarnung eine Rechnung schicken, was wir absolut verstehen können. 

 

Aber der Ansatz "Wir bezahlen nichts für eure Bilder" ist schlicht eine abschätzige Einstellung gegenüber der Arbeit der Fotografen. Dienstleister verdienen ebenfalls Geld und geben ihre Leistungen oder Produkte nicht kostenlos ab. Nach dem Service an unserem Auto würden wir uns auch nicht mit dem Kommentar "Wir verlinken euch, aber mehr ist uns eure Dienstleistung nicht wert" vom Garagisten verabschieden. Interessanterweise wird dieses Verhalten aber oft gegenüber Dienstleistern im kreativen Sektor an den Tag gelegt. Musiker könnten im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied darüber singen, wie oft sie bei der Gagennennung "Ach, wir dachten, wir laden dich dafür zum Essen ein" hören. 

 

Die Hochzeitsindustrie lebt von guten Kontakten und positiver Zusammenarbeit. So handhaben wir es und so möchten wir selber auch gerne behandelt werden.

 

Abschliessend zur Info: Der Lichtbildschutz gilt für alle Arten von Fotografien. Seien diese von Profis mit teurer Kameraausrüstung oder vom absoluten Laien mit dem Handy gemacht. Unseren Blogbeitrag haben wir jedoch auf unser Business bezogen erstellt.  

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